01. 07. 2026
An einem Abend im Juni 2023 warf Hamed Attarbashi in seinem Garten in Hamburg-Wilhelmsburg den Grill an. „Wir haben zusammen gegessen, uns auf dem Laptop potenzielle Neuzugänge angeschaut – und irgendwann Camron Reece gefunden“, erinnerte sich Christoph Roquette. Dies ist „nur einer von ganz vielen großartigen Momenten der Zusammenarbeit mit Hamed“, an die Roquette „sehr gerne zurückdenkt“. Trotzdem musste der Sportliche Leiter des SC Rist Wedel am Sonntag verkünden, dass Attarbashi nach drei Jahren, in denen er „hervorragende Arbeit geleistet“ habe, als Trainer ausscheidet. Weil der Rister Kooperationspartner Veolia Towers Hamburg für die Saison 2026/2027 keine Wildcard für den Euro Cup bekam, wird Stanley Witt, Assistenzcoach der „Türme“, zusätzlich das Traineramt beim SC Rist in der 2. Bundesliga ProB übernehmen.
Roquette richtete Worte der Dankbarkeit und des Lobes an Attarbashi: „Hamed ist ein extrem kompetenter Trainer, der sportlich immer das Maximum aus unserem Team herausgeholt hat.“ Dass der Übungsleiter, der hauptberuflich als Lehrer arbeitet, „auch pädagogisch genau wusste, wie er mit unseren Sportlern und speziell den jungen Spielern umzugehen hat“, nannte Roquette „in dieser Kombination entscheidend für unseren Erfolg“. Zwar verpassten die Wedeler in der vergangenen Saison 2025/2026 als Tabellen-Neunter knapp die Play-Offs – aber in den beiden vorherigen Spielzeiten hatten sie das Play-Off-Viertelfinale erreicht. „Wir haben immer überperformt“, urteilte Roquette mit Verweis darauf, dass das eigentliche Saisonziel Klassenerhalt in allen drei Jahren zeitig gesichert worden war.
Auch Attarbashi selbst zeigte sich „überaus dankbar für eine großartige Zeit“. Die Erinnerungen würden seine Kinder, die oft in der Steinberghalle dabei waren („Sie haben viel erlebt.“), und er bewahren: „All das Erlebte kann uns niemand mehr nehmen.“ Zudem sieht es Attarbashi auch nicht so, dass ihm das Traineramt beim SC Rist, das er „natürlich gerne weiterhin ausgeübt hätte“, weggenommen worden ist: „Es war ein transparenter Prozess, es ist nichts Böses passiert“, betonte der 49-Jährige. Es sei „eine intelligente Lösung gefunden worden, bei der Kosten minimiert werden“, so Attarbashi, der über seinen Nachfolger sagtet: „Es ist gut, dass mit Stanley ein kompetenter Trainer die Mannschaft übernimmt.“
Am Freitag fiel nach langem Hin und Her die Entscheidung in Bezug auf die Nichtteilnahme der Veolia Towers am Europapokal und damit auch in der Trainerfrage. „Zwischenzeitlich sah es so aus, dass die Towers weiter im Euro Cup spielen – aber dann hat das Ganze noch einmal eine Wendung genommen, die wir so nicht erwartet hatten“, sagte Roquette. Die dreijährige Zusammenarbeit mit Attarbashi habe ihm „immer unheimlich viel Freude bereitet“, versicherte der Sportliche Leiter: „Wir haben nicht nur über Basketball gesprochen, sondern auch viele tiefsinnige Gespräche geführt. Natürlich haben wir uns auch mal gefetzt – aber wir haben immer gemeinsam für die Sache gebrannt.“ Ihre Zusammenarbeit sei „immer freundschaftlich und auf Augenhöhe“ gewesen, ergänzte Roquette, der ebenfalls neben seinem Engagement beim SC Rist noch einem Hauptberuf nachgeht. „Das hat uns geeint und da haben wir gegenseitig immer großes gegenseitiges Verständnis gehabt“, erklärte der 43-Jährige.
Dass Attarbashi „ein Glücksgriff für das Programm der Towers und des SC Rist war“, wie Roquette es ausdrückte, lässt sich auch mit Zahlen belegen. Insgesamt 17 (!) Spieler, die am Steinberg durch die Hände des Trainers gingen, kamen während seiner Amtszeit für die Veolia Towers in der Bundesliga oder im Euro Cup zum Einsatz beziehungsweise trainierten bei den „Türmen“ mit. „Darüber habe ich mich am meisten gefreut, weil es zeigt, dass das Zusammenspiel zwischen dem SC Rist und den Veolia Towers ohne Wenn und Aber funktioniert hat“, sagte Attarbashi.
Der 49-Jährige präzisierte, dass die beiden Vereine „zwar zusammenarbeiten, aber natürlich auch eigene, verschiedene Ziele verfolgen“ würden. Dies alles unter einen Hut zu bringen, sei „eine riesige Herausforderung gewesen, die mir aber auch großen Spaß gemacht hat“, beteuerte Attarbashi, der rückblickend feststellte: „Es ging darum, mit dem SC Rist möglichst viele Spiele zu gewinnen, gerade zuhause – aber auch darum, den Doppellizenzspielern möglichst viele Freiheiten zu gewähren.“ Dass Darren Egbe und Jayden Fatnassi parallel zu ihrem Engagement auf dem Basketballfeld ihr Abitur erwarben, während Linus Hoffmann und Niklas Krause ihr Medizinstudium vorantrieben, erfüllte Attarbashi ebenfalls „mit großem Stolz“.
Auch ohne Hoffmann, der wegen seines Studiums in Lübeck den für die ProB nötigen Aufwand nicht mehr betreiben kann und den Steinberg nach acht Jahren verlässt, sieht Attarbashi für den SC Rist in der kommenden ProB-Saison „eine gute Perspektive“. Dies begründete er vor allem damit, dass neben Danny Egbe, der in der vergangenen Serie als JBBL-Spieler regelmäßig in der ProB mitwirkte, noch drei weitere Nachwuchs-Nationalspieler aus der Towers-Jugend dazukommen werden. „Dadurch kann der SC Rist auf einem guten Fundament ein Team aufbauen“, so Attarbashi, der urteilte: „Die Basis ist jetzt eine andere und die Voraussetzungen dafür, dass diese jungen Akteure viel Spielzeit bekommen, sind gut – deshalb hätte ich diese spannende Aufgabe, die Rister Mannschaft zu trainieren, auch sehr gerne weiter innegehabt.“
Wie es nun stattdessen für Attarbashi weitergeht, ist fraglich. „Ich bin ja vor drei Jahren von heute auf morgen in dieses Amt hineingerutscht“, erinnerte sich Attarbashi, der im Sommer 2023 vom Nachwuchs-Individualtrainer zum ProB-Coach und Nachfolger von Stephan Blode geworden war. Dank seiner hauptberuflichen Lehrer-Tätigkeit sei er „unabhängig und nicht auf den Trainerjob angewiesen“, ergänzte der 49-Jährige, der weiß: „Es wird irgendwann weitergehen – nur nicht schon in der nächsten Woche.“ Wo er zukünftig als Coach arbeiten könnte, sei „komplett offen“, beteuerte Attarbashi: „Fakt ist, dass es eine Herausforderung sein muss, die mich reizt – denn ich habe in meinem Leben auch ohne den Basketball genug zu tun.“
Abschließend formulierte Roquette „den klaren Wunsch, dass Hamed unserem Programm in irgendeiner Form erhalten bleibt, wie auch immer das dann genau aussehen könnte“. Gespräche darüber ließen sich unter Umständen im Juli bei einem gemeinsamen Grillen führen.
Text: Johannes Speckner, Fotos: (c) Manningeaux