07. 08. 2026
Junge Talente beim SC Rist: Trainer Witt will „die Rohdiamanten schleifen“
Vergleichsweise selten kommt der Name Tyrese in Deutschland vor: Von 2010 bis 2025 wurde er als erster Vorname ungefähr 300 Mal vergeben. Trotzdem spielen beim SC Rist Wedel mit Tyrese Cisse (17) und Tyrese Steinig (18) gleich zwei junge Männer, die so heißen. „Um Verwechslungen auszuschließen, rufen wir sie im Training und Spiel bei ihrem Nachnamen“, erklärte Stanley Witt, neuer Coach des SC Rist. Dass seinem Kader für die Saison 2026/2027 in der 2. Bundesliga ProB neben den beiden Namensvettern noch zahlreiche weitere junge Talente angehören, freut Witt sehr: „Es ist wunderbar, dass wir aus so einem riesigen Reservoire von starken Nachwuchsspielern schöpfen können.“
Wie gut die Jugendarbeit am Steinberg und beim Kooperationspartner Veolia Towers Hamburg ist, zeigt auch ein Blick auf Deutschlands U16-Nationalmannschaft.
Denn mit Danny Egbe (16), Fiete Meinberg (16) und Lino Schenk (15) gehören drei Spieler des Programms von der Elbe zu den 13 Akteuren, die für den Deutschen Basketball-Bund (DBB) an der am Freitag, 7. August, beginnenden U16-Europameisterschaft teilnehmen. „Darauf können wir wirklich stolz sein“, sagte Witt, der weiß: „Wir haben beim SC Rist einen sehr, sehr talentierten Kader mit einigen Rohdiamanten, die es jetzt zu schleifen gilt.“
Bereits über Erfahrungen in der 2. Bundesliga ProB verfügt neben Danny Egbe, in dessen Vita bereits elf ProB-Einsätze stehen, auch schon Paul Mellentin (16). Der 2,08-Meter-Riese, der als Center und Power Forward agieren kann, wurde in der vergangenen Saison vom damaligen Wedeler Trainer Hamed Attarbashi in vier ProB-Spielen eingesetzt. Der 1,95 Meter große Steinig, der ebenfalls die Positionen vier und fünf bekleidet, stand am 7. März in der ProB-Partie gegen die Dragons Rhöndorf im Kader, wurde aber nicht eingesetzt. Angreifer Bjarne Drewes (17) trainierte in der zurückliegenden Serie regelmäßig im ProB-Team mit. „Diese Jungs waren schon im Kosmos drin – jetzt müssen sie das, was sie gezeigt haben, wiederholen, um den nächsten Schritt zu machen“, forderte Witt.
Ob es für die Talente vornehmlich „nur“ dazu reichen wird, im Training hineinzuschnuppern, oder sie regelmäßig auf dem Feld stehen, liegt vor allem an ihnen selbst: Sein Assistent Marian Schick und er würden „ganz genau hinschauen, wie fit die Jungs nach der Sommerpause sind und was sie uns im Training anbieten“, kündigte Witt an. Seinem Assistenten Schick, der zugleich die U18 der Towers in der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (NBBL) trainiert, und Leo Aris, dem Coach der U16 der „Türme“ in der Jugend-Basketball-Bundesliga (JBBL), sprach Witt zudem „ein riesengroßes Lob für ihre Arbeit“ aus. Und dass Schick die Talente aus der vergangenen NBBL-Saison „in und auswendig kennt“, so Witt, nannte der Trainer „eine ideale Konstellation“.
Über die „großen Jungs“ Cisse, Drewes, Gerrit Kanne (18), Meinberg und Steinig sagte Witt: „Sie alle sind athletische, talentierte Jungs, die jetzt lernen müssen, ihre Physis richtig einzusetzen.“ Steinig, den die Towers-Verantwortlichen im Frühjahr an ihren Bundesliga-Rivalen Telekom Baskets Bonn verliehen, für deren U18 er in der Youth Basketball Champions League auflief, war einst schon in der JBBL für die Towers aktiv. Gleiches gilt für Drewes und Kanne: Der 2,11 Meter große Meinberg kam 2023 vom SC Ottensen zu den „Türmen“ und wurde zuletzt als MVP der JBBL ausgezeichnet. Dagegen trägt Cisse, der in den letzten zwölf Monaten ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Eimsbütteler TV absolvierte, seit dem Sommer 2025 das Trikot der Towers, deren NBBL-Team er sich anschloss. „Diese Jungs scharren mit den Hufen und haben richtig Bock, jetzt ihre ersten Schritte im Herrenbereich zu machen“, weiß Witt.
So verhält es sich auch bei Eren Tas (17), den Witt als „talentierten Point Guard“ charakterisierte, der seine Klasse „in der zurückliegenden NBBL-Saison bereits zeigen konnte“. Tatsächlich erzielte Tas zweimal über 30 Punkte in Deutschlands höchster Nachwuchs-Spielklasse. „Und nun trainiert er an der Seite von Niklas Krause, von dem er sich sicher viel abschauen kann“, sagte Witt. Wie Tas, so wuchs auch Zilal Kunze (19) in Hamburg-Wilhelmsburg auf. „Er ist ein echtes Urgestein, der sich durch harte Arbeit hochgearbeitet hat“, sagte Witt über den Small Forward. „Zilal ist immer pünktlich und immer nett“, nannte der Coach zwei weitere Vorzüge von Kunze, der zum Trainingskader des SC Rist gehört, aber (vorerst) noch keine Doppellizenz besitzt.
Gerade der 1,81 Meter große Tas werde sich „an die Härte im Herrenbereich gewöhnen müssen“, weiß Witt, der versicherte: „Wir geben den Jungs Zeit – sie müssen sich dem ProB-Niveau annähern und dürfen bei uns ausdrücklich auch Fehler machen.“ Der Coach wünscht sich, bei seinen jungen Schützlingen „von Monat zu Monat eine Weiterentwicklung zu sehen“. Allerdings gab Witt auch zu bedenken: „Nicht alle unsere jungen Spielern werden sich in der vor uns liegenden Saison auf Anhieb durchsetzen können.“ Cisse dürfte ganz besonders darauf brennen, am 15. November und am 28. März 2027 im Kader zu stehen. Dann spielen die Wedeler nämlich gegen die Baskets Juniors TSG Westerstede; sie sind das Farmteam der EWE Baskets Oldenburg, für die Cisses Halbbruder Joel Harms (23) seit 2019 aktiv ist. Somit könnte es hier ein Bruderduell geben – was auch vergleichsweise selten vorkommt.
Text: Johannes Speckner, Fotos: (c) Manningeaux & HH Towers