Benefiz-Spiel: Bruder-Duell mit den Towers war „ein Festtag für den Basketball“

Ein echtes Highlight für den Basketball in Wedel und Hamburg: das Freundschaftsspiel "Klein gegen Groß". (Klick für eine größere Ansicht.)

Benefiz-Spiel: Bruder-Duell mit den Towers war „ein Festtag für den Basketball“

18. 08. 2026

„Moment mal, eigentlich sollte ich doch auf der anderen Seite stehen.“ Diese Gedanken habe er am Freitagabend „zu Beginn der Aufwärmphase gehabt“, gestand Stanley Witt. Denn in seinem ersten Spiel als Chefcoach des SC Rist Wedel ging es gegen die Veolia Towers Hamburg, deren Co-Trainer Witt seit drei Jahren und in Personalunion auch weiterhin ist. Nach „ein paar komischen Minuten“ habe er es aber „geschafft, den vollen Fokus auf den SC Rist zu legen“, versicherte der 30-Jährige: „Ich habe mich um meine Mannschaft, meinen Co-Trainer und unser Spiel gekümmert.“ Dass die Wedeler das Freundschaftsspiel gegen ihren Kooperationspartner am Ende mit 48:86 (21:34) verloren, nannte Witt „absolut nebensächlich“.

Die Steinberghalle war ausverkauft und die Stimmung grandios, wozu beide Mannschaften mit schönen Spielzügen und spektakulären Körben beitrugen. Sowohl für die Rister als auch für die „Türme“ war es in der Vorbereitung auf die neue Saison in der 2. Bundesliga ProB beziehungsweise in der 1. Bundesliga das erste Testspiel, in dem es darum ging, die Inhalte der ersten Trainingseinheiten unter Wettkampfbedingungen zu zeigen. Mit der Besonderheit, dass gleich vier Doppellizenzspieler jeweils für beide Teams aufliefen, was einmal mehr das enge Miteinander der beiden Vereine zeigte. So spielten Nelson Martin und Jayden Fatnassi, der den Ball als Erster im Korb versenkte, in der ersten Halbzeit für die Hamburger und im zweiten Durchgang für die Wedeler.

Genau anders herum verlief der Abend für Darren Egbe und Jamil Muttilib. Der US-Amerikaner war im letzten Viertel überaus „gut in Schuss“ und avancierte mit 28 (!) Zählern zum besten Punktesammler der Towers. „Jamil hat kräftig in beide Konten eingezahlt“, lobte Witt den diesjährigen Rister Importspieler: „Er hat in der zweiten Halbzeit wirklich ein Feuerwerk abgefackelt.“ Weitere Akteure wollte der Trainer nicht aus der kollektiv starken Leistung seines Teams, das sehr geschlossen auftrat, hervorheben: „Die Preseason hat ja gerade erst begonnen.“ Immerhin ließ sich der Coach aber noch ein Lob für seine jungen Schützlinge entlocken: „Sie haben ohne Furcht gespielt, gemacht und getan – egal, wer da gerade als Gegenspieler vor ihnen stand.“

Diese couragierte Spielweise führte dazu, dass der Drittligist im zweiten Viertel exakt so viele Punkte erzielte wie der Erstligist – jeweils 14 – und im dritten Abschnitt lediglich zwei Zähler weniger sammelte. Dass der Außenseiter nach 30 Minuten nur mit 15 Punkten zurücklag (40:55), war ein achtbares Zwischenergebnis. Am Ende schraubte der Favorit das Resultat noch einmal deutlich in die Höhe, doch das nahm Witt gelassen: „Bei Testspielen ist das ja oft eine Frage der Durchschlagskraft – und in den ersten drei Vierteln haben sich die Towers ordentlich zurückgehalten“, urteilte der Coach. In den letzten zehn Minuten sah Witt dann „schwindende Kräfte“ auf der einen Seite und auf der anderen ein Towers-Team um Muttilib, dass „noch einmal richtig aufgedreht“ habe.

Neben dem verletzt fehlenden Neuzugang Emil Marshall wurde auch Osaro Jürgen Rich, ein weiterer Ex-Wedeler in den Reihen des Bundesligisten, vom früheren Rist- und jetzigen Towers-Trainer Benka Barloschky nicht eingesetzt. Witt zog ein positives Fazit: „Bei beiden Mannschaften haben viele Spieler auf dem Feld gestanden: Viele junge, einige ältere, viele einheimische, viele auswärtige – unter dem Strich war es für den Großraum Hamburg als Basketball-Standort und die Kooperation zwischen den beiden Vereinen ein richtiger Festtag.“

Ähnliche Worte wählte Britta Wien-Hansen, die als Team-Managerin des SC Rist feststellte: „Dass die Halle ausverkauft war ist ein Zeichen dafür, dass der Basketball in Hamburg und Wedel für großes Interesse sorgt und dieses besondere Spiel gesehen wurde.“ Wien-Hansen sprach „ein großes Dankeschön aus“ an alle Partnerinnen und Partner ihres Vereins, „die diese Partie möglich gemacht haben“. Dem „Spiel im Zeichen der Freundschaft“ (Wien-Hansen) folgte ein gemeinsames Essen der Akteure beider Mannschaften. 

Am Sonntag stand bereits der nächste „Testspiel-Klassiker“ an für den SC Rist. Bei den TSV Bargteheide Bees, die als amtierender Meister der 1. Regionalliga Nord ihr Aufstiegsrecht wegen einer fehlenden ProB-tauglichen Halle nicht wahrnahmen, setzte es eine 82:87 (39:50)-Niederlage. „Für unser junges Team war das ein sehr guter Test, weil wir wirklich wertvolle Erfahrungen sammeln konnten“, urteilte Witt. Die Wedeler gerieten schnell mit 3:12 in Rückstand, dem sie lange hinterherliefen. Im letzten Viertel übernahmen sie kurzzeitig die Führung, „Dann haben wir aber nicht abgeklärt genug agiert und knapp verloren“, schilderte Witt die Schlussphase und versprach: „Auch daraus werden wir unsere Lehren ziehen.“

Viertel-Ergebnisse gegen Veolia Towers Hamburg: 7:20, 14:14, 19:21, 8:31.
Viertel-Ergebnisse gegen TSV Bargteheide Bees: 17:22, 22:28, 19:17, 24:20.

Text: Johannes Speckner, Fotos: (c) Manningeaux

Download: Benefiz_RistTowers_2026.pdf